SÄULE DES BIELEFELDER MUSIKLEBENS

Der Oratorienchor der Stadt Bielefeld zählt mit seinen rund 140 aktiven Sängerinnen und Sängern zu den großen Konzertchören der Region Ostwestfalen. Mit unseren Aufführungen chorsinfonischer Werke und A-cappella-Konzerten gestalten wir das Musikleben unserer Stadt aktiv mit. Wir kommen aus allen Altersgruppen sowie aus den unterschiedlichsten beruflichen, sozialen und kulturellen Hintergründen. Was uns alle eint, ist die Liebe zur Musik und zum Singen sowie die Bereitschaft, immer wieder neue musikalische Werke unter fachkundiger professioneller Leitung zu erarbeiten. 2012 wurde Hagen Enke zum Künstlerischen Leiter des Oratorienchores berufen. Neben der Pflege der großen Werke geistlicher

sowie weltlicher Chormusik setzte er die Suche nach neuen Akzenten für besondere Konzerterlebnisse mit großem Engagement fort.

Ein besonderes Anliegen ist uns nicht nur der Ausbau der stimmlichen Weiterbildung, sondern auch die musikalische Förderung junger Menschen.
Unsere langjährigen und traditionsreichen Partner sind die Bielefelder Philharmoniker. Regelmäßig wirken wir in der Reihe der Symphoniekonzerte mit. In unseren Konzerten arbeiten wir mit herausragenden Gesangssolistinnen und -solisten zusammen.
Der Oratorienchor ist Mitglied des Verbandes Deutscher Konzertchöre (VDKC) und wird von der Stadt Bielefeld institutionell gefördert.

Der Chor

HÖRPROBEN

Sie sind neugierig, wie wir klingen? Hier finden Sie ausgewählte Hörproben unserer Konzerte.
„The Messiah“
Georg Friedrich Händel

CHORGESCHICHTE

Mit Hagen Enke in die Zukunft

Seit 2012 leitet ein Theatermann den Oratorienchor: Hagen Enke ist hauptberuflich Direktor des Opern- und des Extrachores am Theater Bielefeld. Erste Höhepunkte seiner Arbeit beim Oratorienchor waren die von Publikum und Presse mit viel Beifall und Lob bedachte Bielefelder Erstaufführung von Sergej Rachmaninows Sinfonischer Dichtung »Die Glocken«, die Aufführung von Händels »Messiah« in englischer Sprache und die »Carmina Burana«, die der Chor 2015 anlässlich seines 125-jährigen Bestehens aufführte. Großen Anklang fand auch die Wiederaufnahme von A-cappella-Konzerten, etwa für den Musikalischen Adventskalender oder beim Deutschen Chorfest 2016 in Stuttgart. Besondere Anerkennung fand die Aufführung der Marienvesper von Claudio Monteverdi, eines 400 Jahre alten Werks, das aufgrund seiner Größe und seines Anspruchs nur selten im üblichen Konzertbetrieb aufgeführt wird. 2018 überraschte der Oratorienchor ein begeistertes Publikum mit »The Peacemakers« von Karl Jenkins. Auch dieses Konzert lebte vom Einfallsreichtum des Chorleiters Hagen Enke, der dieses Friedensgebet mit seiner modernen Komposition facettenreich, vielfältig und gleichzeitig präzise umsetzte.

Zwischen Klassik und Moderne

1995 begann die 17-jährige Ära des Kirchenmusikdirektors Hartmut Sturm. Die Stückauswahl war durch seine Vorliebe für die großen, klassischen Bachschen Werke sowie von der zeitgenössischen Chorliteratur geprägt. Bereits im Jahr nach seinem Amtsantritt fand ein Konzert mit Werken von Schreker, Schönberg und Martin statt – für das Publikum waren die Werke erst einmal neu, doch Hartmut Sturm lagen sie sehr am Herzen. In diesem Zeitraum bekam der Chor großen Zulauf von neuen Sängerinnen und Sängern. Die Freude auf die wöchentliche Chorprobe, der Zusammenhalt innerhalb der Chorgemeinschaft und insbesondere die persönliche Ansprache waren ein Markenzeichen von Hartmut Sturm. Höhepunkte seiner Arbeit waren Verdis »Requiem«, Frank Martins »Golgotha« und sicherlich die deutschsprachige Erstaufführung von Stanislaw Moniuszkos »Messe in E-Dur«, deren Partitur Hartmut Sturm in der Newberry Library in Chicago ausgegraben hatte. Auf der Basis dieser Partitur schrieb er alle Orgel-, Streicher- und Chorstimmen neu für die Aufführung im November 2011. Hartmut Sturm ist im August 2021 im Alter von 78 Jahren verstorben.

Krise und Neubeginn

Als Horst Henke, Erster Kapellmeister an den Bühnen der Stadt Bielefeld, den Chor 1989 übernahm, steckte dieser in einer Krise: Nicht nur der Musikverein Oelde hatte die Chorgemeinschaft verlassen, sondern überraschend auch der Leiter Engelbert Buhr. Weniger als 40 Mitglieder zählte der Chor zu diesem Zeitpunkt. Doch Horst Henke gelang der Neuanfang: Er warb effektiv um Mitglieder, sorgte mit künstlerisch gestalteten Plakaten und Programmheften für ein neues, attraktives Erscheinungsbild und öffnete den Chor für Werke der Gegenwart. Das größte Pfund dürfte jedoch die Eröffnung der »Bielefelder Singschul‘« gewesen sein: Die »Nachwuchsabteilung« des Chores verstärkte mit ihren jugendlichen Stimmen immer wieder die Konzerte. Der Übergang zu seinem Nachfolger Hartmut Sturm war fließend und zugleich Adelung und Hypothek: Denn Horst Henke hatte Sturm erkoren.

Zeiten des Wandels nach Kriegsende

Das erste Konzert nach dem Krieg fand im Januar 1946 statt, wie schon vor Kriegsbeginn unter der Leitung von Ernst Püttbach. 1947 wurde – nach vorherigen Schwierigkeiten – ein Vertrag mit der Stadt geschlossen, der dem Chor (bis heute!) die freie Nutzung der Oetkerhalle sowie die kostenlose Mitwirkung des Städtischen Orchesters garantierte. Als Ernst Püttbach schon Ende 1946 auch den Musikverein Oelde übernahm, eröffneten sich dem Chor große Möglichkeiten. Dank der Unterstützung des Oelder Unternehmers Rudolf Haver fanden von 1954 bis 1989 Konzerte sowohl mit den Bielefelder Philharmonikern als auch mit der Nordwestdeutschen Philharmonie statt. 1958 erregte Püttbach mit Hermann Suters Oratorium »Le Laudi« so viel Aufmerksamkeit, dass er im Jahr darauf mit dem Werk an die Berliner Hochschule für Musik eingeladen wurde – eine denkwürdige Aufführung! Nach dem plötzlichen Tod des Chorleiters übernahm übergangsweise Generalmusikdirektor Schmöhe den Chor. Sein Nachfolger Engelbert Buhr hatte sich dann verstärkt mit einem Kulturwandel auseinanderzusetzen: Mit zunehmendem Wohlstand schwand in der Bevölkerung die Identifikation mit den ehemals typischen Arbeiterleitbildern. Der Volkschor beschloss daher 1978 die Umbenennung in »Oratorienchor der Stadt Bielefeld e.V.«.

Politische Auswirkungen in den 30er Jahren

Die Verschlechterung der Konjunktur in den 30er Jahren machte auch vor dem Chor nicht Halt. So konnten etwa Konzertprogramme nur als hektografierte Seiten ausgegeben werden. Anfang 1933 waren etwa zwei Drittel der Mitglieder arbeitslos. Die erzwungene nationalsozialistische Gleichschaltung des Chores hatte zur Folge, dass er immer wieder in seiner Arbeit behindert wurde. So stellte die Gestapo bei einer Überprüfung der Chormitglieder fest, dass ein Großteil von ihnen vor 1933 der SPD oder dem Reichsbanner angehört hatte. Eine Berücksichtigung irgendwelcher Wünsche des Chores war damit ausgeschlossen. Dementsprechend fanden nur wenige Konzerte statt. Im September 1944 mussten der Chor wie auch alle anderen Kultureinrichtungen der Stadt ihre Aktivitäten ganz einstellen.

Neuer Schwung und Ausrichtung nach dem 1. Weltkrieg

Die Mobilmachung für den 1. Weltkrieg riss eine große Lücke in den Verein. Der Zusammenbruch der Monarchie nach 1918 brachte dann neuen Schwung in die Chorbewegung. 1924 schlossen sich die Arbeiter-Sängervereinigung »Frisch Auf« Bielefeld und der Frauenchor Bielefeld zum Volkschor Bielefeld mit insgesamt 205 Mitgliedern zusammen. Das Repertoire veränderte sich ebenso wie das Selbstverständnis: Man sah sich als Gegenstück zum bürgerlichen Musikverein und verlangte höhere städtische Zuschüsse. 1925 verstarb überraschend der verdienstvolle Dirigent Wilhelm Schulz, der den Chor seit 1912 geleitet hatte. Ohne viel Federlesens übernahm Wilhelm Lamping, seit vielen Jahren in städtischen Diensten und Leiter des Musikvereins, die Aufgabe, die Einstudierung der »Schöpfung« von Haydn zu einem guten Ende zu bringen. Ende des Jahres fand man einen geeigneten Nachfolger. Nach einem Probedirigat unter Aufsicht von Wilhelm Lamping wurde Ernst Püttbach die Leitung des Volkschores angetragen. Eine kluge Entscheidung, denn dieser blieb dem Chor bis zu seinem Tod im Januar 1974 erhalten.

Anfänge im 19. Jahrhundert

Nach Aufhebung der Sozialistengesetze gründen sich 1890 gleich zwei Gesangsvereine in Bielefeld: der Tischlergesangsverein »Frisch Auf« und der Männergesangsverein »Morgenrot«. 1893 gesellte sich der Männergesangsverein »Kornblume« dazu. 1902 vereinigten sich Morgenrot und Kornblume zur »Arbeiter-Sängervereinigung Bielefeld«. Ein Jahr später gründete sich der erste »Frauenchor Bielefeld«. 1909 gab es den nächsten Zusammenschluss: Die Tischler vereinigten sich mit den Arbeitern zur »Arbeiter-Sängervereinigung ›Frisch Auf‹ Bielefeld«. Die Fusionen wurden einerseits aus Geldmangel vollzogen, andererseits war der Bierpreis eine treibende Kraft: Nachdem die Wirte der Vereinslokale die Bierpreise erhöht hatten, suchten sich die 1909 zusammengeschlossenen Sänger ein neues Vereinslokal, in dem sie den Preis selbst bestimmen konnten. Immerhin zählte die »Arbeiter-Sängervereinigung ›Frisch Auf‹ Bielefeld« dann 85 Mitglieder, von denen 64 aktiv sangen. Da das Damoklesschwert politischer Überwachung immer wieder über allen Vereinen schwebte, beschloss man, sich Statuten allgemeinerer Natur zu geben.

KÜNSTLERISCHE
LEITUNG

Hagen Enke

Ambitioniert und experimentierfreudig

Hagen Enke ist seit dem Frühjahr 2012 künstlerischer Leiter des Oratorienchores der Stadt Bielefeld.

Seit 2004 ist er als Chordirektor am Theater Bielefeld unter Vertrag. Dort sind ihm die Choreinstudierungen sämtlicher Produktionen des Musiktheaters anvertraut und auch spartenübergreifend wird er für die Erarbeitung chorischer Vokalpartien eingesetzt. Darüber hinaus liegt die chorseitige Einstudierung von Chor-Sinfoniekonzerten der Bielefelder Philharmoniker in seiner Hand. In die Verantwortung seines Bereiches fällt auch die Arbeit des Kinder- und Jugendchores im Theater Bielefeld. Bis zum SS 2013 war Hagen Enke als Dozent an der Hochschule für Musik in Detmold tätig.

1967 im Harz geboren wurde Hagen Enke schon früh im Violine- und Klavierspiel sowie in Musiklehre unterrichtet. Während seiner Zeit am Musikspezialgymnasium in Wernigerode war er drei Jahre lang Mitglied des Rundfunk-Jugendchores Wernigerode. Anschließend betrieb er Kompositionsstudien an der Musikhochschule »Franz Liszt« Weimar und war Mitglied im professionellen Männerchor »Carl Maria von Weber«.
Sein Studium in den Fächern Chor- und Orchesterdirigieren sowie Komposition absolvierte er an der Musikhochschule »Hanns Eisler« Berlin. Während des Studiums leitete er mehrere Amateurchöre und assistierte viele Jahre dem Leiter der Berliner Singakademie, Prof. Achim Zimmermann. Unmittelbar vor seinem Engagement in Bielefeld war Hagen Enke sechs Jahre an der Komischen Oper Berlin tätig. Unter anderem gründete und leitete er in dieser Zeit ein semiprofessionelles Vokalensemble für Alte Musik.

STIMMBILDUNG

Johanna Baumann

Der Oratorienchor bietet seinen Mitgliedern eine kostenlose Stimmbildung durch die Sopranistin Johanna Baumann an.

Johanna Baumann wurde in Süddeutschland geboren und wuchs in Südfrankreich auf. Nach dem Abitur in Perpignan, studierte sie zunächst Gesang bei Holger Lampson am Musikseminar Hamburg und wechselte im Oktober 2008 an die Musikhochschule Hannover. Dort studierte sie bei Prof. Mechthild Kerz und seit 2010 bei Prof. Jacques Schwarz. Im April 2014 machte sie ihr Diplom in Konzertgesang.

Erste Bühnenerfahrungen sammelte sie beim Jungen Musiktheater Hamburg (»Die Fledermaus«) sowie bei Diplominszenierungen an der Musikhochschule Hamburg (»Onegin« und »Medée«). Sie sang die Gretel in »Hänsel und Gretel«, einer Produktion für Kinder der Oper an der Leine in Hannover.

Zunehmend widmete sie sich der Alten Musik und trat auf mit Werken von u.a. Monteverdi, Byrd, Purcell, Händel und Schubert.

Seit März 2014 ist sie Stimmbildnerin beim Oratorienchor Bielefeld.

CHORVORSTAND

Geschäftsführender Vorstand
1. Vorsitzende
Christiane Clüsener
2. Vorsitzende
Monika Güse

Schatzmeisterin
Wiebke Taler
stellv. Antje Rübsam

Schriftführerin
Renate Gross
stellv. Friederike Gausmann

Notenwart
Sebastian Wolf
stellv. Peter Priebs

Vergnügungswart
Dr. Anke Steinfels
stellv. Christian Stoffels

von links: Wiebke Taler, Renate Gross, Dr. Anke Steinfels, Monika Güse, Christiane Clüsener, Sebastian Wolf, Peter Priebs

LUST MITZUSINGEN?

Sie suchen eine Chorgemeinschaft, die die großen Werke der Weltliteratur von der Klassik bis hin zur Moderne aufführt?

Wir freuen uns auf Sie und bieten Ihnen:

  • die Aufnahme und Mitgliedschaft in unseren großen gemischten Konzertchor
  • die Erarbeitung der großen Chorwerke der Klassik sowie der Moderne
  • eine professionelle Probenarbeit durch unseren Chorleiter und eine Korrepetition auf hohem künstlerischem Niveau
  • Einsingen und Stimmbildung zu Beginn einer jeden Probe
  • eine individuelle Einzelstimmbildung bei unserer Stimmbildnerin während der Probenphase
  • die Zusammenarbeit mit einem professionellen Orchester, den Bielefelder Philharmonikern, und professionellen Solisten, zumeist in der Rudolf- Oetker-Halle in Bielefeld
  • Teilnahme an unseren Chorkonzerten sowie projektweise bei ausgewählten Sinfoniekonzerten der Bielefelder Philharmoniker
  • intensive Chorprobenwochenenden (jährliches Chorwochenende mit Übernachtung und Zeit zum abendlichen Klönen)
  • Chorreisen, z. B. zum Deutschen Chorfest
  • Integration in eine vielfältige Chorgemeinschaft

Sie haben die notwendige Freude, Muße und den gewissen Enthusiasmus dafür, auch neue, unbekannte Werke in intensiver und professioneller Probenarbeit zu erarbeiten?

Was wir von Ihnen wünschen:

  • eine gute Stimme und Notengrundkenntnisse
  • Integrationsfähigkeit in eine große Gruppe Gleichgesinnter
  • die Bereitschaft, Ihre Stimme durch unseren Chorleiter bzw. der Stimmbildnerin prüfen und in eine Stimmgruppe einordnen zu lassen
  • eine regelmäßige Probenteilnahme
  • die Einhaltung der Satzung

Dann kommen sie einfach mal in eine Probe und schnuppern hinein. Nach den ersten Proben entscheiden Sie, ob es Ihnen gefallen hat, und melden sich bei dem/der Stimmvertreter/in.

PROBENPLAN

Probenplan bis Dezember 2021 (letzte Aktualisierung: 27.10.2021)